Er wollte nur Fußball spielen, musste aber in den Krieg

Zum Tod des Sozialdemokraten Gerhard Diehl erklärt sein Enkel Jürgen Coße:

„Mein Großvater wurde am 01. Mai 1919 in einer Bergmannsfamilie in Bottrop geboren. Durch den schrecklichen 2. Weltkrieg kam die ganze Familie nach Neuenkirchen. Opa Diehl kam direkt aus der Kriegsgefangenschaft und sah erst in Neuenkirchen seine Familie wieder. Er und meine Mutter haben mir immer sehr viel über die schreckliche Zeit unter den Nazis erzählt. Hass gegenüber anderen ist immer die Quelle von Unrecht. In jungen Jahren wollte er nur Fußball spielen, musste aber in den Krieg. Er hatte keine Gemeinsamkeiten mit den Nazis. War noch nicht mal in der Hitlerjugend.

Sein Vater, ein Bergmann und Gewerkschaftsmitglied, trat schon 1918 in die SPD ein. Als ich im Jahre 1969 geboren wurde, kandidierte der Malocher Gerhard Diehl für den Rat in Neuenkirchen. Seine Tochter, also meine Mutter und auch ich als Enkel, machten es später genauso.

Auf die Frage zu seinem 97. Geburtstag, was er noch erleben möchte, antwortete er: „Dass mein Enkel in den Bundestag kommt.“ Das wollte er noch erleben. Bevor dieses dann öffentlich wurde, habe ich einen Tag vorher mit ihm mehr als eine Stunde über Gott und die Welt gesprochen. Er war richtig stolz. Am 28.11.2016 feierte die SPD in Neuenkirchen ihr 70 jähriges Jubiläum. Opa Diehl war wie selbstverständlich dabei. Es war seine letzte Veranstaltung bei seinen Sozialdemokraten.

Ein langes Leben, das bei mir viele Eindrücke hinterlässt und uns immer mahnen sollte, dass Frieden, Freiheit und Demokratie nie selbstverständlich sind, sondern das Ergebnis konkreten politischen Handelns mit Augenmaß und Leidenschaft zu gleich ist.

Für alle die sich verabschieden wollen: Die Beerdigung findet am Samstag, den 17. Dezember um 9 Uhr, in der Pfarrkirche St. Anna statt. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof am Westfalenring.“

Gerhard Diehl mit seiner Tochter Elvira Coße und seinem Enkel Jürgen Coße (Foto Jörg Homering).