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In Lüdinghausen sein blaues Wunder erleben


2022 ist Jahr des Blaudrucks – Elke Schlüter praktiziert historisches Handwerk als eine der letzten in Deutschland

Lüdinghausen/Berlin. Woher kommt eigentlich die Redewendung „Sein blaues Wunder erleben“? Die studierte Designerin Elke Schlüter erlebt dieses blaue Wunder tagtäglich, und zwar in ihrer Blaudruckerei in Lüdinghausen. Als eine der letzten in Deutschland praktiziert sie dieses historische Handwerk seit mittlerweile über 40 Jahren. 2018 hat die UNESCO die Technik des Blaufärbens, bei dem Stoffe aus Leinen oder Baumwolle mit Indigo eingefärbt werden, in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Um auf das historische Handwerk aufmerksam zu machen, wird 2022 das Jahr des Blaudrucks begangen. Höhepunkt wird am 9. September eine Fotoaktion im Deutschen Bundestag sein, an der sich auch der hiesige Bundestagsabgeordnete Jürgen Coße (SPD) beteiligen wird. Vorher hat sich Coße ganz genau in die Technik dieses Färbeverfahrens einführen lassen und sich vor Ort in Lüdinghausen informiert. Denn in der Werkstatt von Elke Schlüter wird noch alles wie vor rund 300 Jahren per Hand gemacht.

Eigenes Rezept für den Papp - 800 Muster im Regal

Mit sogenannten Modeln, so heißen die großen Druckstöcke mit den Messingstiften, druckt Elke Schlüter eine Rerserve, den sogenannten Papp, eine klebrige Masse nach eigenem Rezept, auf den Stoff. 800 Muster dieser Model stehen bei ihr an der Münsterstraße im Regal. Schlüter: „Der Aufdruck der farbweisenden Masse bewirkt dann, dass in der Küpe der Stoff an den Stellen weiß bleibt, die Farbe im Färberbad nicht angenommen wird und ein entsprechend weißes Muster auf dem indigo-gefärbten Stoff zurückbleibt. Der originale Blaudruck ist immer blaugrundig“

2,20 Meter tiefer Färbebrunnen - 1.500 Liter Farbe

Und damit zurück zum blauen Wunder: In der Färberei steht der große Färbebrunnen, in den der Stoff eingetaucht wird. 2,20 Meter tief in die Erde gelassen und gefüllt mit 1.500 Litern Farbe. Und dabei kann man sprichwörtlich sein blaues Wunder erleben: Taucht man den mit Papp bedruckten Stoff in das Farbbad und zieht ihn nach etwa 20 Minuten wieder raus, ist der Stoff zunächst gelblich-grün und wird dann erst langsam blau. „Dieser Farbumschwung war für die Menschen im 17. Jahrhundert wie ein Wunder. Und so entstand auch die Redewendung: Sein blaues Wunder erleben“, erzählt Schlüter.

Farbumschwung durch Oxydation - Für Menschen früher ein Wunder

Coße möchte natürlich genau wissen, wie dieses ‚Wunder‘ entsteht. Die Erklärung sei laut Schlüter ganz einfach: „Indigo muss zunächst reduziert werden, bevor es sich in Wasser auflöst. Man muss dem Farbstoff sozusagen ein Sauerstoffteilchen entziehen. Dann verbindet er sich mit Wasser und färbt den Stoff gelb ein. An der Luft holt er sich dann das Sauerstoffteilchen zurück. Die Oxydation lässt den Stoff blau werden.“

Blaudruckjahr 2022 - Fotoaktion im Bundestag: an historische Kulturtechnik erinnern

Coße: „Das Blaudruckjahr 2022 und die Fotoaktion am 9. September im Bundestag sollen an die lange Geschichte dieser historischen Kulturtechnik erinnern, die auch hier im Kreis Coesfeld noch aktiv gelebt und ausgeführt wird. Die Initiative dazu kommt von der Bundestagsabgeordneten Frauke Heiligenstadt aus dem niedersächsischen Landkreis Northeim. Dort in Einbeck hat der Blaudruck bis heute ebenfalls eine lange Tradition. Ich bin beeindruckt davon, dass hier in der Werkstatt von Elke Schlüter wirklich noch alles per Hand gemacht wird, vom Entwurf über das Nähen des Stoffes bis zum Bedrucken.“ Der Blaudruck ist eine jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung, die nur noch in zwölf Betrieben in Deutschland und in 15 Betrieben europaweit ausgeübt wird.

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