Fünf Monate lang frische Erdbeeren ernten – Herausforderungen für Sonderkulturen in Deutschland – Die Spitze ist besonders süß


Bundestagsabgeordneter Jürgen Coße (SPD) im Gespräch mit Geschäftsführerinnen von Böckmann Erdbeeren – Stände in Westerkappeln, Lengerich und Mettingen
Westerkappeln/Mettingen/Lengerich/Ostercappeln-Schwagstorf. Die roten, lebensgroßen Erdbeeren erkennt man schon von weitem: die Verkaufsstände des Obstanbaubetriebes Böckmann Erdbeeren. Die Firma hat ihren Sitz in Ostercappeln-Schwagstorf und betreibt neben der Belieferung von Supermärkten 35 Verkaufsstände in der Direktvermarktung. Drei davon stehen am Cappeln Carrée in Westerkappeln, in Lengerich und seit kurzem auch in Mettingen. Die Geschäftsführerinnen Hanne und Janne Böckmann führen seit sechs Jahren das Unternehmen und haben sich mit dem Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Steinfurt, Jürgen Coße (SPD), und Markus Staden von der Bundesfachgruppe Obstbau in Deutschland über Forderungen ausgetauscht, um den Erdbeeranbau auch zukünftig in Deutschland zu erhalten.
Böckmann Erdbeeren sei führend in der sogenannten Terminkultur, die Böckmann etabliert habe. „In den vergangenen Jahren haben sich die Anbaumethoden verändert. Durch den zunehmenden geschützten Anbau, den sogenannten Stellagenanbau in Folientunneln, und der Weiterentwicklung der Erdbeersorten können wir nun fünf Monate lang frische Erdbeeren ernten, statt wie früher nur etwa vier Wochen lang“, erklärt Janne Böckmann. Anbau und Ernte seien genau strukturiert. „Gerade haben wir nochmal 1.000 Pflanzen gesetzt. Etwa 70 Tage dauert es, bis die Erdbeeren reif sind“, sagt Hanne Böckmann.
„Durch den Mindestlohn und die zunehmende Schwierigkeit, Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland zu bekommen, sind wir gezwungen, auf weniger Fläche mehr Kilos zu ernten“, sagt Janne Böckmann. Bislang könnten Sie noch Arbeitskräfte aus Rumänien gewinnen und es gebe zurzeit ein Pilotprojekt mit Studierenden aus der Mongolei. „Wir können die Preise aber nicht so stark erhöhen, wie sich die Lohnkosten erhöht haben. Bei Beerenobst sind etwa 50 bis 60 Prozent der Produktionskosten Lohnkosten. Unser Kilopreis von circa 15 Euro ist schon jetzt für viele kaum noch bezahlbar und es gibt natürlich Konkurrenzprodukte, d.h. günstigere Erdbeeren aus Afrika im Discounter“, sagt Staden.
Daher fordern die Bundesfachgruppe Obstbau in Deutschland und die Obstbaubetriebe Entlastungen bei Lohnkosten und in Bezug auf die Saisonarbeit im Obst- und Gemüseanbau gesetzliche Änderungen und Anpassungen bei Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte. Außerdem fordern sie eine Abschaffung der Rechtsunsicherheit bei kurzfristiger Beschäftigung. Bisher bestünden große finanzielle Risiken durch Beitragsnachforderungen für die Arbeitgeber sowie Bußgeld- und Strafrisiken.
„Wichtig ist uns auch die Öffnung des Arbeitsmarktes für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten und rechtssichere Rahmenbedingungen für den Einsatz dieser Arbeitskräfte“, sagt Staden. Während landwirtschaftliche Betriebe in anderen EU-Mitgliedstaaten auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten zugreifen können, ist der Zugang für deutsche Betriebe stark eingeschränkt. Coße: „Ich unterstütze Ihre Forderung nach Mitwirkung am Drittstaatenabkommen. Und ich werbe schon länger für eine sogenannte Fast Lane, also ein beschleunigtes Verfahren bei der Erteilung von Visa für die Einreise aus Nicht-EU-Staaten. Das ist auch wichtig für die Gewinnung von Fach- und Arbeitskräften, also von der Professorin bis zum Erntehelfer.“
In Deutschland sei der Standard beim Pflanzenschutz und rechtlichen Vorgaben sehr hoch. „Das darf natürlich nicht dazu führen, dass den Betrieben wie Ihrem Steine in den Weg gelegt werden. Sie machen Ihre Arbeit mit viel Engagement, haben vermutlich wenig Freizeit und sind immer erreichbar. Deshalb ist es wichtig, rechtliche und steuerliche Bedingungen zu überdenken und gegebenenfalls auch anzupassen. Ich werde unter anderem mit Arbeitsministerin Bärbel Bas zum Thema Sozialversicherungen sprechen“, sagt Coße.
Zum Schluss hatte Hanne Böckmann noch einen kleinen Tipp. „Am besten die Erdbeere von oben nach unten essen, denn die Spitze ist besonders süß.“























